Arztbrief und Entlassbrief verstehen

Aktualisiert: Fehler gefunden? So gehen wir mit Korrekturen um.
Eine Ärztin im weißen Kittel tippt am Schreibtisch Notizen in den Computer
Foto: Shixart1985, CC BY 2.0, Wikimedia Commons

Ein Arztbrief hält für die weiterbehandelnden Ärztinnen und Ärzte fest, welche Befunde erhoben und welche Behandlung durchgeführt wurde. Nach einem Krankenhausaufenthalt spricht man vom Entlassbrief. Da er für medizinisches Fachpersonal geschrieben wird, enthält er viele Abkürzungen. Die gute Nachricht: Die meisten Briefe sind nach demselben Muster aufgebaut.

Der typische Aufbau

AbschnittWas drinstehtTypische Kürzel
DiagnosenDie behandelten Erkrankungen, oft mit ICD-10-Code (z. B. “I10”)V.a., Z.n., St.p., ED, DD
AnamneseIhre Vorgeschichte und Beschwerden, wie Sie sie geschildert haben
BefundErgebnisse von Untersuchung, Labor und Bildgebungo.B., unauffällig, AZ, EZ, RR, HF, bds.
Epikrise / VerlaufZusammenfassung des Aufenthalts und Bewertung
Therapie / MedikationWas gemacht wurde, welche Medikamente in welcher Dosis1-0-1, b.B., p.o., i.v., s.c.
Empfehlung / ProcedereKontrollen, Termine, Aufgaben für die Hausarztpraxisggf.

Alle Kürzel aus der Tabelle stehen mit Quelle im A-Z-Verzeichnis. Sie können den ganzen Brief auch in den Befund-Übersetzer einfügen.

Was das Gesetz vorschreibt

Nach § 630f Abs. 2 BGB muss die Behandlungsakte alle Maßnahmen und Ergebnisse enthalten, die für die aktuelle und künftige Behandlung wichtig sind, insbesondere Anamnese, Diagnosen, Untersuchungen und Befunde, Therapien und ihre Wirkungen, Eingriffe, Einwilligungen und Aufklärungen. Arztbriefe gehören ausdrücklich dazu.

Lesetipps

  • Mit der Epikrise anfangen. Sie fasst den Aufenthalt zusammen und ist oft der verständlichste Teil.
  • Auf “V.a.” achten. Verdacht auf heißt: noch nicht bestätigt. Fragen Sie im Zweifel nach, welche Diagnosen gesichert sind.
  • “Z.n.” ist Vergangenheit. Zustand nach einer Operation heißt nicht, dass die Operation jetzt ansteht.
  • Das Dosierschema lesen. “1-0-1” bedeutet morgens eins, mittags keins, abends eins. Eine vierte Zahl steht für die Nacht.
  • Nachfragen. Die Praxis, die den Brief geschrieben oder bekommen hat, kann Ihnen die Inhalte erklären.

Was sich ändert

Entlassberichte gehören nach der EHDS-Verordnung zu den sechs vorrangigen Datenkategorien. Das Recht, sie elektronisch und kostenlos abzurufen, gilt ab dem 26. März 2031. Schon heute können Sie eine Kopie verlangen: Patientenakte anfordern.

Häufige Fragen

Habe ich Anspruch auf eine Kopie meines Arztbriefs?

Ja. Arztbriefe gehören zur Behandlungsakte (§ 630f Abs. 2 BGB). Eine Kopie können Sie nach Art. 15 DSGVO und § 630g BGB verlangen, die erste ist kostenlos. Bei gesetzlich Versicherten landen Arztbriefe und Entlassbriefe außerdem in der ePA, sofern Sie nicht widersprochen haben.

Warum ist der Brief so schwer zu lesen?

Er richtet sich in erster Linie an die weiterbehandelnde Ärztin oder den weiterbehandelnden Arzt, nicht an Sie. Deshalb sind Kürzel und Fachbegriffe üblich. Der Inhalt betrifft aber Sie, und Sie dürfen nachfragen.

Quellen

  1. § 630f BGB - Dokumentation der Behandlung. gesetze-im-internet.de (abgerufen15. Oktober 2026)
  2. Arztbrief. DocCheck Flexikon (abgerufen15. Oktober 2026)
  3. Epikrise. DocCheck Flexikon (abgerufen15. Oktober 2026)
  4. Abbildung komplexer Dosierschemata im Bundeseinheitlichen Medikationsplan (PDF). AkdÄ / AG BMP (abgerufen15. Oktober 2026)
  5. Verordnung (EU) 2025/327 (EHDS), Art. 14 und 105. EUR-Lex (abgerufen15. Oktober 2026)